Frankfurter neue Presse – Einer, der sich ins Zeug legt: Florian Eberhardt hat in einem Jahr 50 Kilo abtrainiert!

Frankfurter neue Presse – Einer, der sich ins Zeug legt: Florian Eberhardt hat in einem Jahr 50 Kilo abtrainiert!

Oberhöchstadt
Florian Eberhardt hat in einem Jahr von 130 auf 80 Kilo abgespeckt. Dabei hat ihm ausgerechnet ein Arbeitsunfall geholfen. Jetzt will er anderen helfen, ihren Weg zu gehen.

Florian Eberhardt in seinem Freiluft-Fitness-Parcours im Oberhöchstädter Garten.
Florian Eberhardt in seinem Freiluft-Fitness-Parcours im Oberhöchstädter Garten.

Die Bedeutung von so manchem Lebensereignis zeigt sich erst nach geraumer Zeit. Florian Eberhardt hätte sich 2013 wohl kaum vorstellen können, dass ausgerechnet ein schmerzvoller Arbeitsunfall dazu betragen würde, dass sich sein Leben grundlegend veränderte. Dem Gas- und Wasserinstallateur entgleitet ein schwerer Heizkörper, den er versucht, alleine durch ein Treppenhaus zu tragen. Er greift in die Heizrippen, um das Malheur abzuwenden, doch er macht es nur schlimmer. Der Heizkörper reißt ihn mit. Die Diagnose: Eckgelenksprengung und Bänderrisse in der Schulter.

Ein zweites Ereignis, dessen Tragweite zu diesem Zeitpunkt wohl niemand erahnte: Andreas Eberhardt, Florians älterer Bruder, fragt diesen, ob er ihn nicht in ein neues Fitness-Studio begleiten wolle, das in Oberursel eröffnet hat. Florian geht mit, beginnt mit dem Training – und wird ein „anderer Mensch“.

Zocken bis in die Nacht

Sport hat ihm als Kind und Jugendlicher viel Spaß gemacht. Der Oberhöchstädter spielte Tennis und Eishockey. Doch mit dem Beginn der Lehre, dem Einstieg in den Berufsalltag kam der Sport auf einmal zu kurz. Geschafft von der harten körperlichen Arbeit, tritt die Bewegung in den Hintergrund. Gutbürgerliche Küche, Alkohol mit Freunden und viel Zeit vor dem Computer – all das führt dazu, dass der heute 24-Jährige mächtig zulegt. 130 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,70 Metern. „Wir haben selbst bei schönem Wetter bis tief in die Nacht gezockt“, erinnert er sich an seine Computerspiel-Zeit.Ende 2013 steht für ihn fest: „So kann es nicht weitergehen.“ Auch, weil er sich in seiner Haut nicht mehr wohlfühlt. Und der Gang ins Studio kostet anfangs Überwindung. Schließlich schämt er sich für seine Körperfülle. Doch ihm gelingt es, daraus Motivation zu ziehen. Jede Bemerkung, er werde das nicht schaffen, spornt ihn zusätzlich an. „Jetzt erst recht“, denkt er sich, „denen werde ich es zeigen.“

Tugenden des Sportlers

Ehrgeiz und Disziplin sind zwei Tugenden, die er noch aus seiner Zeit als Jugendsportler kennt und auf die er sich wieder besinnt. Er stellt die Ernährung um, entdeckt Vollkorn und Fisch als Lebensmittel. „Gesund essen ist lecker“, sagt er heute. Damals konnte er sich das überhaupt nicht vorstellen. Florian trainiert regelmäßig – und es gelingt ihm, von Beginn 2014 bis Beginn 2015 50 Kilo abzunehmen.

Bevor es mit dem Training und dem Abnehmen losging. 
Bevor es mit dem Training und dem Abnehmen losging.

Er postet Bilder in den sozialen Netzwerken davon. Coach und Buchautor Daniel Hoch wird auf ihn aufmerksam, schreibt ihm: „Was du geschafft hast, ist unglaublich.“ Für sein neues Buch „Aufschieberitis“ hat er die Geschichte von Florian Eberhardt aufgeschrieben. Bei der Buchmesse in Leipzig standen die beiden gemeinsam auf der Bühne. Am 25. März, dem Geburtstag des Oberhöchstädters. Ein tolles Gefühl – so wie auf der Fitness-Messe in Köln, als er 2015 auf der Bühne steht und eine alte Hose zeigt, in die er zu diesem Zeitpunkt zwei Mal reinpassen würde.Mittlerweile hat der 24-Jährige sein Fachabitur in der Feldbergschule in Oberursel und einen Trainerschein gemacht, ist bei dem Fitness-Studio in Oberursel als Trainer eingestiegen. Und dann kam ein weiteres Lebensereignis: Im Winter war er einen Monat lang im Norden Norwegens mit dem Husky-Schlitten unterwegs. „Da hatte ich viel Zeit zum Nachdenken.“ Mitten im Schnee stellt er sich die Frage: „Was will ich eigentlich machen.“ Dort wird ihm klar, dass sein Ziel ist, sich als Fitness-Trainer selbstständig zu machen.

„Ich will einen Partner, der weiß, was er will“, sagt einige Woche später Katharina Schäfer. Sie sitzt in der Aprilsonne neben Florian Eberhardt auf einem ausrangierten Traktorreifen mit grobem Profil. Der liegt in dem Garten in Oberhöchstadt, in dem Florian einen kleinen Fitness-Parcours aufgebaut hat. „Mir gefällt, dass er nicht bei der ersten Hürde aufgibt, sondern weiterkämpft“, sagt die 18-Jährige über ihren Freund.

„Jeder kann es schaffen“

Als Personal Coach hat er bereits einen kleinen Kreis von Kunden gewonnen. Seine offene, freundliche, ja herzliche Art helfen da gewiss. Und die Erfahrungen, die er selbst gemacht hat. „Jeder kann es schaffen“, ist sein Credo. Bei seinem Ansatz geht es nicht um kurzfristige, aber leider oft auch kurzlebige Erfolge, sondern vielmehr um eine grundsätzliche Veränderung der Einstellung. „Ich möchte den Leuten, die zu mir kommen, einen gesünderen Lifestyle beibringen.“

Von seinem alten Leben vermisse er nichts, sagt er. Und: „Ich fühle mich wohl in meiner Haut und habe keine Angst mehr, Fehler zu machen.“ Mittlerweile ist auch das Magazin „Men’s Health“ auf den Oberhöchstädter aufmerksam geworden und will demnächst über ihn berichten – ein weiterer Ritterschlag für den Fitness-Fan Eberhardt.

(Quelle: zum Artikel )

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